Verfasst von: weltensehen | 13. Januar 2009

Heimkehr

7.-13.1.
(Katrin und Stanislaus) Noch einmal gehen wir am Morgen an den Strand, geniessen die Waerme, den heissen Sand, das eiskalte Wasser des Atlantik, das wunderbare, gleissend klare Licht der Stadt und versuchen, wie eigentlich schon seit Tagen, innerlich Abschied zu nehmen von unserer langen Reise, es gelingt nicht.

Am spaeten Nachmittag heben wir mit ab, in jedem Sitz ein Display, 600 Filme, 30 Videospiele, 50 Musiksender. Beim Landeanflug auf Dubai liegt die Stadt im Daemmerlicht unter uns, auf den Strassen schiebt sich in endlosen Lichterschlangen der Berufsverkehr. Die Zeit bis zum Weiterflug verbringen wir „Chez Paul“ unter kuenstlichen Baeumen, auf denen echte Voegel unter dem Glasdach der Wartehalle zwitschern und ein Kaffee 6 Dollar kostet. Ein junger Bayer erzaehlt, er habe nun drei Wochen „Afrika gemacht“ und sich „Souveniers ohne Ende geholt“ und schmerzlich werden wir uns der Naehe zur Heimat bewusst und der Tatsache, dass es da zwar selten fremd, aber durchaus befremdlich sein kann.

Doch erst als der Bordfernseher im Anschlussflug nach Frankfurt nicht mehr mit einem kleinen Pfeil die Richtung der Kaaba anzeigt, damit das Mittagsgebet ordnungsgemaess erfolgen kann (was bei unserem kurvigen Flug allerdings ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit und Sportivitaet erfordert), stattdessen zu erkennen gibt, dass wir Bayreuth ueberfliegen, wird die Heimkehr fuer uns real.
Bei aller Traurigkeit: Eine weiss gezuckerte Landschaft, Sonnenschein und strahlend blauer Himmel, klares, kaltes, frostiges Wetter, wenn schon zurueckgekehrt werden muss, dann so.

k1024_p1110605Zu Hause empfangen uns die besten Freunde, die man sich wuenschen kann, mit Musik, Kuchen und einer warmen Wohnung. Noch zwei Tage leben wir aus den Rucksaecken, misten unsere uebervollen Schraenke aus, sitzen in der Kueche herum, weil uns die Menge der Dinge voellig ueberfordert und warten, dass unsere Seelen ankommen, die haengen aber noch irgendwo zwischen Mubi und Lagos herum, es geht ihnen dort gut.

k1024_p1110603Der erste Arbeitstag ist verwirrend und furchtbar anstrengend, ich habe meine Routine verloren, sehne mich nach Rucksack und Hotel. Am Dienstag gehen wir zum Mittagessen in unser altes Gmuender Stammlokal „Zu den drei Koenigen“. Die Damenrunde sitzt mit frisch gemachtem Haar bei Kaffee und Kuchen genauso, wie wir sie im Juli verliessen und ein Apfelschorle kostet noch immer einen Euro. Wir zaehlen unsere letzten Muenzen, denn die Plastikkarten, die uns in aller Herren Laender Geld verschafft haben, werden in der Heimat von den Automaten veraechtlich wieder ausgespuckt: Auf den Pfennig reicht unsere Barschaft fuer Linsen, Spaetzle und Apfelschorle und als es ans Bezahlen geht, sieht die alte Kellnerin unseren leeren Geldbeutel und bietet uns an: „Wenn sie noch ebbes Geld brauchet, behaltet Sie ruhig was! So gut kennet wir ons doch!“ Auf die Tageskarte hatte die Wirtin ein Zitat von Kokokscha gedruckt: “ Wer noch staunen kann, der wird auf Schritt und Tritt belohnt.“
Manches ist auch schoen, hier, zu Hause.


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