31.12.-2.1.2009
(Katrin) Im Dunst taucht die groesste Stadt des Kontinents auf, offizielle Zahlen sprechen von 14 Millionen Einwohnern, inoffizielle behaupten, die Stadt sei bereits auf das Doppelte gewachsen. Am Domestic-Airport stuermen dutzende Taxifahrer auf uns zu, heften sich an unsere Fersen und quatschen, was das Zeug haelt. Wir sind froh, dass wir uns bereits einen Fahrer organisiert haben, gilt Lagos doch als eine der gefaehrlichsten Staedte der Welt, niemand faehrt in diese Stadt, wenn er nicht Business zu tun hat, das Deutsche Auswaertige Amt raet von einer Reise ab. Unser Fahrer laesst allerdings erstmal eineinhalb Stunden auf sich warten, excuse me, der traffic, you know?! My name is easy life.
Wir verbringen den Silvesterabend auf einer trostlosen Party neben unserem Hotel. Sie hat ausschliesslich truebsinnig dreinblickende Maenner angelockt, die auf Handys herumdruecken und zum Whisky aus der Literflasche Fisch aus der Alufolio pulen. An ein Verlassen des Gelaendes bei Einbruch der Dunkelheit ist nicht zu denken, das Licht in unserem Zimmer noch nicht fertig montiert und deshalb gehen wir nach einer kuehlen Dusche, bei der uns die Armaturen in die Wanne plumpsen, um neun ins Bett und schlafen ins Neue Jahr.
Eine Fahrt durch die aelteren Viertel der Stadt im Neuen Jahr zeigt ein noch trostloseres Gesicht. Verstopfte, manchmal loecherige Highways fuehren durch Strassenfluchten groesstenteils zweistoeckige Gebaeude, durch Elendsviertel auf Stelzen in der Lagune vorbei, deren beissende Luft uns die Lungen aetzt. In verfallenden Stadtvierteln schieben sich die Menschen an den selbstgebauten Holzstaenden vorbei, fast ueberall gilt Aussteigen als gefaehrlich, aber wir wollen ja sowieso nicht. Nicht einmal das Botschaftsviertel auf Victoria Island, dessen Beschreibung im Lonely Planet annaehernd auf das Flair einer Grossstadt schliessen liess, ist modern oder elegant, hohe Zaeune, Stacheldraht, Kameras, Polizei. Das Goetheinstitut gammelt vor sich hin, sein Parkplatz heisst euphemistisch „Goethepark“. Eine frustrierende Stadt. Unter einer Bruecke halten wir zum Fotografieren an den Schnapsstaenden, steigen aus und werden sofort selbst von Polizisten um Geld angegangen: „Happy New Year! Give me money!“ Unser Taxifahrer ist souveraen und laesst sich auch dann nicht aus der Ruhe bringen als eine Gang das Tor am Ende einer Strasse schliesst und fuer die Durchfahrt Geld fordert: Die Tueren bleiben verriegelt, durch einen Fensterspalt wird verhandelt.
Auf dem Weg zum Flughafen halten wir zur Verwunderung unserers Taxifahrers noch einmal fuer das koestlich gegrillte Fleisch ‘Soya’ am Rande der Strasse an, kurz vor Abflug faellt uns zu Ehren noch einmal komplett der Strom aus, sind alle Wartehallen und Geschaefte, die Cafes und Dutyfree-Shops ein letztes Mal ins Dunkel getaucht.