5.1.
(Stanislaus) Es ist mir noch nie so schwer gefallen, eine Entgiftung zu machen wie im Kongo. Du darfst ja keinen Zucker essen, keine Schokolade, keine tierischen Produkte, nur ganz reines Gemuese und Obst und Vollkornmehl. Das war so schwer zu kriegen, also da im Kongo das war die teuerste Detox meines Lebens.
Aufgeregt berichtet die junge Deutsche aus dem Kongo, ihr zentrales Augenmerk stets auf ihre Entschlackung gerichtet. Mitfuehlend begleitet werden ihre Ausfuehrungen von einem Schweizer Journalisten in Auszeit, der sich die Buendchen seiner Socken aufgeschnitten hat, damit sie nicht spannen. Er wie auch seine Begleiterin, eine frisch geschiedene spirituelle Franzoesin um die 50 mit goldenem BMW, tragen das T-Shirt ihres Zen Meisters: Find peace in you and there will be peace in the world. Die Runde wird ergaenzt von einer wohlhabenden indischen Suedafrikanerin, die ihre Angestellten ganz toll behandelt. Jetzt z.B. ist sie mit ihrer schwarzen Maid aus Johannesburg gekommen, die Maid ist 65 und durfte zum ersten Mal fliegen, sie sitzt mit am Tisch, wird aber beflissentlich uebersehen, niemand kuemmert sich um sie, als ich sie anspreche, verschluckt sie sich vor Schreck am alten Gouda.
Eingeladen hat ein pensionierter Bassbariton, dessen grossen Zehen ueber die zweiten gewachsen sind, es sieht ein bisschen aus wie 30 Jahre in Lackschuhen, die Schoenheit erzwungen, doch jetzt sind Schlappen angesagt, kombiniert mit Wiener Charme aus alten Tagen und einem tuerkisenem Shirt aus dem Krueger Nationalpark. In Oranjezicht, einem teuren Viertel mit Blick auf Tafelberg hinten und Hafen vorne, huetet er das Haus zweiter alter Maenner auf Argentinentrip, schwere Moebel, dunkle Vorhaenge und 12.000 Buecher und aus staubigen Glaesern trinken wir kuehlen Weisswein, waehrend mal wieder die Sonne untergeht.
Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
und kehrt von hinten zurück.
Alle reden vor sich hin, alle wollen was sagen, niemand will was zuhoeren und so trinken wir uns auf parallelen Spuren durch den Abend.
Suedafrika eigne sich als letzte Station vor der Heimreise hatten wir gedacht, als Verbindungsglied zwischen Afrika und Europa, zwischen Pothole und Autobahn. Nun haben wir einen Kulturschock, denn in den inneren Bezirken ist Cape Town weiss, reich, westlich und es ist ganz egal, ob ich in Muenchen auf den Eisbach schaue oder hier an den Strand, die Surfer sind die gleichen. Die V&A Waterfront, der alte Hafen, ein Disneyland mit Malls und Rummel, Shark-diving, Heli-flying, Whale-watching. Fast bin ich froh, dass es uns schon hier erwischt, der ganze Ueberfluss, der Quatsch. Wir muessen Wasser kaufen, doch hier gibts keine Buden sondern einen Supermarkt, wir wollen beide nicht rein, einer muss, und als ich nach 20 Minuten wieder rauskomme, fragt mich Katrin, warum es so gedauert hat. Ich weiss nicht, ich musste mich zurechtfinden in den Fluren, ueberall lagen Lebensmittel in Bergen herum, ich musste stehenbleiben, mich orientieren, entscheiden ziwschen 20 Sorten Wasser, lass’ uns in unser Zimmer gehen und Pause machen.