(Katrin) Genervt lesen wir die Nachricht, dass unser Frachtschiff eine weitere Verspaetung von sechs Tagen hat: Der Hafen ist verstopft. Was sollen wir die ganze Zeit in den Emiraten tun? Es ist zu heiss, um lange herumzulaufen und ausser Shoppingmalls gibt es kaum etwas anzuschauen. Wir beschliessen nach einigem inneren Kampf, das beste aus der Situation zu machen und starten mit der ersten Shoppingmall-Tour.
Ein Bus holt die Gaeste vom Hotel ab und bringt sie nach drei Stunden wieder zurueck, gratis versteht sich. Wir werden am Aufenthaltsraum ausgespuckt, wo etliche Leute schon darauf warten, in ihre Hotels zurueckgebracht zu werden. Das Parkdeck fuehrt direkt in die unterste der drei Einkaufsebenen. Durch gut gekuehlte fensterlose Gaenge schieben sich die Massen. Rechts und links erstreckt sich eine scheinbar endlose Reihe an Geschaeften. Voll und ganz tauchen wir in eine Kunstwelt ein, in welcher der Unterschied von Tag und Nacht, warm und kalt voellig verschwindet. Nach fuenf Minuten haben wir schon vergessen, wo wir eigentlich sind, so viele bekannte Geschaefte tauchen auf.
An das „Food-Areal“ grenzt der „Magic Planet“. Wir koennen es kaum fassen – ein riesiger „Indoor-Entertainement“-Bereich fuer Kinder schliesst sich direkt an die Fressmeile an. Autoscooter, etliche Karussells und andere Fahrattraktionen, vor allem aber Spielautomaten, deren Gewinn nicht aus Geld sondern aus Suessigkeiten besteht. Es gibt blubbernde Froesche fur die ganz Kleinen, jede Menge elektronische Autorennen und mit Torpedos koennen Schiffe in die Luft gejagt werden. Vor den Geraeten sitzen Kinder, Erwachsene und ganze Familien. Die Geraeuschkulisse und das Blinken der Lichter sind kaum auszuhalten, was ganz offensichtlich niemanden ausser uns stoert. Die Vermischung aus Kinder- und Erwachsenenwelt ist hier perfekt, wo schon ganz Kleine in der blinkenden Trostlosigkeit auf das grosse Los in Gummibaerchenform warten.
Indoorskifahren bei 48 Grad im Schatten. Da faellt mir wirklich nichts mehr ein und ich glotze aus der runtergekuehlten Mall in die auf -3 Grad nochmal runtergekuehlte Schneelandschaft, wo alle in den gleichen geliehenen Schneeanzuegen Schlitten rumschieben und auf den Skiern herumrutschen und sehne mich nach Hause, wo es so was (zumindest fuer die naechsten Jahre!) noch in echt gibt.
Wir verlassen die Mall mit einem Gefuehl von Verwirrung, Verirrung und Frustration und wandern vom Hotel durch die schwuele Nacht zum Creek. Dutzende kleine Boote schaukeln auf dem Wasser, vor riesigen Holzbooten (Dhows) warten hunderte von Paketen in allen Formen und Groessen darauf, verladen zu werden. Das Nebeneinander von perfektionierter Shopping-Entertainementwelt, Hochhaeusern und dem traditionellem Handverladen der Waren auf alte Boote entspricht unserem Eindruck aus Gespraechen, dass es in den Emiraten eine Ober- und eine Unterschicht, aber nichts dazwischen gibt. Mit einer aufgeschlagenen, frischen Kokosnuss in der Hand fahren wir im warmen Abendwind durch das Blinken der Lichter auf dem Wasser einmal zum anderen Ufer und zurueck.